Oscar Niemeyer starb im vergangenen Dezember im Alter von 104 Jahren in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro. Niemeyer hat die wichtigsten öffentlichen Gebäude von Brasilia entworfen, darunter Museen, Wohnhäuser, Bibliotheken, Kirchen und sogar Sambodrome, und seine Gebäude sind überall über Brasilien verteilt, von Belo Horizonte bis Sao Paulo. In den vergangenen 10 Jahren wurden seine Werke wieder neuerlich bekannt und sind weltweit zu sehen.

1940 lernte der junge Niemeyer den damaligen Bürgermeister von Belo Horizonte, Juscelino Kubitschek, kennen und erhielt von ihm seinen ersten wichtigen Auftrag: Das Projekt für eine Kirche und ein Kasino am Ufer des Pampulha-Sees. Die Produktion von Niemeyer war überraschend. Sein Ruhm wuchs immer mehr und 1952 wurde er eingeladen, an dem Projekt für das Gebäude der Vereinten Nationen in New York teilzunehmen, zusammen mit Architekten wie Le Corbusier aus der französischen Schweiz. Zwei Jahre später wurde sein immer weiter wachsender Ruhm durch sein Haus in Rio de Janeiro bestätigt. 1956 gab ihm der inzwischen zum Präsidenten gewählten Kubitschek den Auftrag, die wichtigsten Gebäude einer neuen Stadt zu entwerfen: Brasilia. Es heißt, dass Niemeyer auch mit einigen guten Ideen zu dem Design beitrug, das Le Corbusier für das Bildungsministerium von Rio de Janeiro erstellte, eines der wenigen Werke des Schweizers in Südamerika.

Trotz seiner Erfolge und der Anerkennung am Ende seines Lebens und des ruhmreichen Beginns seiner Laufbahn musste Niemeyer auch die Ächtung wegen seiner politischen Überzeugung erdulden. Aufgrund seiner Verbindung zur konstitutionellen Regierung des Präsidenten Juscelino Kubitschek musste er in den 60er Jahren nach Frankreich ins Exil.

Von 1991 bis 1996 leitete er die Bauarbeiten für das, was viele für sein bestes Werk halten: das Museum für zeitgenössische Kunst von Niterói, das die Form einer auf den Stein projizierten Skulptur hat, mit Blick auf die Bucht von Guanabara und die Stadt Rio de Janeiro. Die Stiftung, die seinen Namen trägt, wurde 1988 gegründet.

Niemeyer war der letzte Zeuge einer Zeit, in der die Architektur als Synonym für Fortschritt, Demokratie und soziale Gerechtigkeit verstanden werden wollte. Es war eine messianische Zeit, die sogenannte Moderne Bewegung. Die großen Helden dieser Zeit waren u.a. Le Corbusier, Mies Van der Rohe und Walter Gropius.

1988 gewann er den Pritzker-Preis, der dem Nobelpreis für Architektur gleichgesetzt wird, 1989 erhielt er den Prinz-von-Asturien-Preis für Kunst. Bis zum letzten Atemzug arbeitete er weiter in seinem Studio mit großen, gebogenen Fenstern an dem berühmten Strand Copacabana. Dort widmete er sich seiner Fachzeitschrift für Architektur Novos Caminhos, ebenso wie neuen Projekten, wie dem Auftrag für die Bibliothek der arabischen und südamerikanischen Staaten, den er von der algerischen Regierung erhalten hatte.

Trotz seines beruflichen Erfolgs betonte Niemeyer immer, dass die Architektur nicht das Wichtigste auf der Welt sei, ebenso wenig wie die Politik. Niemeyer sagte, für ihn sei das Wichtigste das Leben. Mit über 600 abgeschlossenen Werken und etwa zwanzig laufenden Projekten in Brasilien und im Ausland hatte dieser Mann mit fragilem Aussehen und geistig regem Blick immer gesagt, er wolle auch weiterhin „überraschen“.

 

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