Manaus ist eine große Stadt mit ca. 2 Millionen Einwohnern, mitten in Amazonien gelegen, dort, wo der riesige Fluss Negro mit dem Amazonas (den die Brasilianer bis Manaus Solimões nennen) zusammenfließt. Und Manaus hat außerdem eine kurze, aber interessante Geschichte aufzuweisen. Die Geschichte von Manaus ist die Geschichte des Kautschuks.

Manaus wurde im 17. Jahrhundert gegründet und wäre wahrscheinlich eine weitere kleine Stadt in diesem großen Land geblieben, wenn nicht ein Amerikaner namens Charles Goodyear ein Vulkanisierungsverfahren zur Verhärtung von Kautschuk erfunden und dann ein Ire namens John Dunlop den mit diesem Material hergestellten Reifen patentiert hätte.

Mit der allgemeinen Verbreitung des Reifens stieg der Kautschukpreis rasant an und die Grundbesitzer mit Kautschukbäumen entwickelten ein System der Halbsklaverei, um sich billige Arbeitskräfte zu sichern. Das System bestand darin, Arbeiter von den Zuckerrohr- oder Kaffeeplantagen mit dem Versprechen anzulocken, dass man dort schnell gutes Geld verdienen und dann reich in die Heimat zurückkehren könne. Aber sie kehrten nie zurück. Man bezahlte ihnen die Reise, das Essen und die Werkzeuge, sodass sie hohe Schulden hatten, die sie nie zurückzahlen würden, auch wenn sie noch so viel arbeiteten.

Die Seringueiros (so wurden die Kautschukarbeiter genannt) mussten den Kautschuksaft zu „Borracha“ umformen, also in ca. 50 kg schwere Latex-Ballen, indem sie den Pflanzensaft räucherten. Wenn der Eigentümer sah, dass die Seringueiros knapp davor standen, ihre Schulden zu bezahlen, schickte er ihnen Frauen. Für diese Männer, die lange Zeiträume alleine im Dschungel verbrachten, war dies eine Versuchung, der sie nur schwer widerstehen konnten, und so verschuldeten sie sich aufs Neue. Diese Frauen waren normalerweise Indianerinnen und aus diesen Verbindungen mit den weißen Seringueiros aus dem Nordosten des Landes entstand die in dieser Region am häufigsten vorkommende Rasse, der Caboclo.

Der Plantagenbesitzer seinerseits erzielte einträgliche Gewinne, denn die Produktion war äußerst kostengünstig und die Erzeugnisse wurden dann auf dem europäischen Markt sehr teuer verkauft. Das waren die Neureichen von Manaus. Sie importieren das Allerbeste aus Europa: Autos, Haushaltsgeräte, Kleidung aus den besten Boutiquen von Paris, Kristallwaren, Edelsteine… Die historischen Gebäude, die in Manaus erhalten sind, stammen aus dieser Zeit. Besonders erwähnenswert ist das Amazonas-Theater, das bis in unsere Tage perfekt erhalten geblieben ist. Der Eingang zum Theater war aus Kautschuk, damit die Kutschen keinen Lärm machten, wenn sie zu spät kamen.

Dies alles war vorbei, als ein Engländer die Samen des Kautschukbaumes nach England mitnahm, wo sie gepflanzt wurden, um später auf die Plantagen in Malaysia gebracht zu werden. Nachdem das Monopol verloren war, stürzten die Preise ein und die Plantagenbesitzer von Manaus waren ruiniert. Die Stadt versank in die Dekadenz und, auch wenn sie später noch den einen oder anderen Aufschwung erlebte, wie beispielsweise während des 2. Weltkrieges, wurde sie nie wieder so reich wie sie einmal war.

Uns als Reisenden ist es vorbehalten, die Spuren zu suchen, die aus dieser Zeit des Wohlstands in Form von Monumenten und Gebäuden verblieben sind, und wir haben zudem die Möglichkeit, freundliche Leute kennenzulernen, die uns gerne ihre Version der Geschichte erzählen.

IBEROSTAR Hotels & Resorts besitzt ein 5-Sterne-Hotelschiff mit All-inclusive-Service in Manaus: das Hotel IBEROSTAR Grand Amazon, das an verschiedenen Stellen im amazonischen Regenwald anlegt, von wo aus man dann Ausflüge in kleinen Booten machen und die unberührte Vegetation erkunden kann. “